Hanna Maria Ograbisz-Krawiec

Malerei und Skulpturen
Ausstellungsdauer: 17.11.-23.02.2008

Marianne Pucks

Ikebana
Ausstellungsdauer: 17.11.-24.11.2007

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Über Hanna Maria Ograbisz-Krawiec schreibt Urszula Usakowska-Wolff

Aus der Ruhe kommt die Kraft

Die Mutter Erde sitzt auf einem Sockel aus roten Ziegelsteinen. Mit riesigen Brüsten, mächtigem Bauch und imposanten Oberschenkeln erinnert sie an eine überlebensgroße Venus aus Willendorf. Ihren Hals krönt ein graziles Haupt in Form einer buddhistischen Gottheit. Vom weiten sieht diese Keramikskulptur wie eine Pyramide aus. Die auf ihrem stufenförmigen Sockel brennenden Kerzen vermitteln den Eindruck, dass es sich auch um eine Grabstätte handeln könnte. Die Mutter Erde ist also ein metaphorisches weibliches Wesen, das in allen Zeiten, Kulturen und Religionen dieser Welt den Ursprung des Lebens und seine letzte Ruhestätte symbolisiert. Neben der Magna Mater steht eine kleine zierliche Frau. Es ist Hanna Maria Ograbisz-Krawiec, Bildhauerin und Malerin, die großformatige Plastiken und reliefartige Bilder kreiert. Sie strahlen eine wohltuende Ruhe aus und laden zum Verweilen, zur Meditation und Kontemplation ein. Sie können als sakrale Kultobjekte betrachtet werden, als Synthese aller Religionen, Ausdruck eines religionsübergreifenden Glaubens. Doch das Sacrum steht bei dieser polnischen Künstlerin immer auf festem Boden. Es ist erdverbunden. Wie der Geist die Materie entmaterialisiert, also sie in metaphysische Sphären befördert, und die Materie den Geist entgeistert, also wieder auf die Erde bringt, das sind Themen, denen Hanna Maria Ograbisz-Krawiec ihre vielseitigen und vielschichtigen Werke widmet.

Farborgien und Energiefelder

Die polnische Künstlerin zeigt zum ersten Mal ihre Arbeiten in Berlin. Ihre vier Skulpturen und siebzehn Ölgemälde sind noch bis zum 20. Dezember in der Galerie Beletage im VOX Möbel Salon in Berlin-Tiergarten zu sehen. Was sowohl in den plastischen Arbeiten als auch in den Bildern auffällt, ist die unverkennbare Stofflichkeit: Ihre Hanna Maria Ograbisz-KrawiecOberfläche mutet wie Gewebe an. Das ist kein Zufall, denn Hanna Maria Ograbisz-Krawiec studierte an der Akademie der Schönen Künste in Posen Bildhauerei bei Prof. Olgierd Truszczynski und Textilkunst bei der namhaften polnischen Bildweberin und Bildhauerin Magdalena Abakanowicz, die seit Jahrzehnten mit überlebensgroßen meistens kopflosen Stofffiguren und Figurengruppen großes Aufsehen erregt. Während die Plastiken ihrer Schülerin weitgehend gegenständlich sind und mythischen oder literarischen Gestalten (etwa dem Kater Behemoth, Gehilfen des Teufels Volan im Katzenfell aus dem Roman "Meister und Margareta" von Michail Bulgakow) gewidmet sind, sind ihre Ölbilder in der Regel abstrakt. Es sind vor allem Landschaften, die diese Künstlerin malt. Ihre Motive findet sie auf Reisen, bei denen sie der "Reiseengel" und der "Engel mit der Orchidee" begleiten. Diese beiden gegenständlich-abstrakten Bilder sind vor allem eine Farbenexplosion im kräftigen grün und rot, also eine farbliche Zusammenstellung, die als äußerst schwierig gilt. Doch auch diese Hürde meistert Hanna Maria Ograbisz-Krawiec virtuos. Ihre Farborgien sind zwar expressiv und wahre Energiefelder, bestechen aber zugleich durch eine Harmonie, die den Bildern eine meditative Aura verleiht. Expressivität und Harmonie sind für diese Künstlerin keine Gegensätze: Wenn man ihre Werke betrachtet, sieht man, dass aus der Kraft die Ruhe kommt und die Ruhe aus der Kraft.

Freude an der Farbe

Hanna Maria Ograbisz-Krawiec liebt lichtdurchflutete Landschaften. Spanien ist das Land, das ihr immer wieder als Inspirationsquelle dient. Sie malt den "Regenbogen über Andalusien", eine leidenschaftliche Komposition mit kräftigen Farben, und den "Horizont über Katalonien", wo der Himmel sich mit der Erde vereinigt. Sie malt aber auch die "Ostsee-Erregung", Strände, magische Seen, Heidefelder und Buchen aus Polen. Unabhängig davon, wo sie ihre Landschaften auf Leinwand bannt, zeigt sie, dass die Schönheit der Natur für sie vor allem ein Farbenspiel bedeutet und dass die Schönheit der Natur "grenzenlos" ist, wie der Titel eines ihrer Bilder verkündet. Der dicke gespachtelte Farbauftrag lässt diese Bilder wie Reliefs erscheinen. Die bereits erwähnte Stofflichkeit ihrer Oberfläche bewirkt, dass sie wie gewebt aussehen: Sie muten wie weich vor den Augen changierende Wandteppiche an. Hanna Maria Ograbisz-Krawiec hat Freude am Malen und an der Farbe. Doch ihre farbenfrohen Landschaften sind nur vordergründig mehr oder weniger abstrahierte Naturbilder. Die dicken Farbschichten vermitteln den Eindruck, als ob sich hinter ihnen etwas verbirgt. Es sind die Schichten der Zeit, die jede Schönheit vergänglich macht, so dass sie nur in der Erinnerung oder einer gemalten Erinnerung überleben kann.

Leidenschaften in den Landschaften

Obwohl die polnische Künstlerin kräftige, zum Teil aggressive Farben und Kontraste liebt, sind ihre Gemälde überraschend harmonisch. Ihre Malerei beruht auf Gegensätzen, die sich gegenseitig ergänzen und die Bilder nicht sprengen, sondern ihnen sowohl Dynamik als auch innere Ruhe verleihen. Sie sind fragil und kräftig, getönt und leuchtend, pastös, stellenweise fast monochrom und farbenfroh. Aus der Tiefe der mehrschichtigen Gemälde dringt ein leiser Hauch von Melancholie an die Oberfläche, denn Hanna Maria Ograbisz-Krawiec erzählt in ihren Landschaften vor allem die Geschichte der vergänglichen Leidenschaft, deren Sinnbilder sie sind. Leidenschaften, die sich in den Landschaften entladen, laden zum Verweilen ein, denn sie sind, denn sie waren so schön. Die Vergangenheit ist ein Labyrinth, in dessen verwinkelten Gängen und Ecken die Erinnerung lauert. Die Ausstellung ihrer Werke hat Hanna Maria Ograbisz-Krawiec wie eine begehbare Skulptur mit dem Titel "Labyrinth" konzipiert und arrangiert, in die sie alle Räume der Galerie Beletage einbezogen hat. An seinem Ende befindet sich ein weißer Tunnel, der in den Möbelsalon VOX führt. Es ist der Übergang von der abgebildeten selbsterschaffenen Welt in die reale Welt.
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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Urszula Usakowska-Wolff

Fotografien: danuta kisiel, Stefan Dybowski, Christian Schröter