Edmund Gunsch
RETROSPEKTIVE 50+
Vernissage am 3. März, Donnerstag,
19.00 Uhr
Finissage am 1. April, Freitag, 16.00-19.00 Uhr
Dauer der Ausstellung: 3.03. - 2.04.2011
Kuratorin: Agnieszka Bulak

Gladiolen, 2006, Aquarell auf
Papier,
45 x 34 (60 x 50) cm
Um die Ausstellung in dieser Form zu gestalten, wie Sie sie in der Galerie Beletage vorfinden, waren mehrere Besuche bei Edmund Gunsch notwendig. Die Auswahl der Werke war nicht leicht. Denn das künstlerische Oeuvre von Gunsch zeichnet sich durch eine immense schöpferische Produktion aus: Es besteht aus mehreren Hundert, wenn nicht Tausend Kunstwerken.
Edmund Gunsch wurde 1941 in Sępolno Krajeńskie (Polen) geboren. In den 1960er Jahren studierte er an der Kunstakademie in Danzig bei Professor Teisseyre und Professor Żuławski. 1981 siedelte er nach Berlin um, wo er, abgesehen von den Studienaufenthalten in Paris in den 1980er Jahren, bis heute lebt.
Das Schaffen von Edmund Gunsch ist durch verschiedene Gattungen charakterisiert: Malerei, Zeichnung, Grafik, Collage und Skulptur dienen ihm als Ausdrucksformen für sein vielfältiges Vokabular.
Um seiner malerischen Welt einen Ausdruck zu geben, bedient er sich Öl, Acryl, Aquarell, Farben für Fahrgestell und Mischtechnik. Die Zeichnungen sind mit Tusche, Feder, Pinsel, Bleistift, Kreide und Kugelschreiber angefertigt. Die mittels einer Mischtechnik entstandenen Grafiken zeichnen sich durch unterschiedliche surreale, expressionistische und abstrakte Kompositionen aus. Ferner enthüllen die schwarz-weißen Linolschnitte weiträumige Naturlandschaften sowie detaillierte Städteansichten mit ihren Gassen, profanen Gebäuden und Sakralbauten. Dieselben Genres sind auch in den Zeichnungen und Aquarellen zu finden. Die Aquarellwelten strahlen eine gewisse lebensbejahende Energie aus. Sie spielen impressionistisch mit augenblicklich aufgefangenem Licht und schimmern in pastellzarten Farbtönen. Dazu eine Vielfalt an Aquarellblumen und -blüten, wie die im Sonnenlicht leuchtenden Narzissen oder die im Licht-Schatten-Spiel stehenden Tulpen.
In den Collagen findet eine deutliche Stimmungswandlung statt. Sie sind in dunklen Sequenzen gehalten und aus Linolschnitten sowie Zeichnungen mit verschiedenen Farben angefertigt. Manche von ihnen sind von geometrischen Formen umrahmt und mit einer lackierten Folie überzogen. Auch wenn die Collage-Welt düsterer wird, ist die positiv wirkende Kraft doch auch noch in ihr zu erkennen. Wir entdecken beispielsweise vor der Pariser Sacre Coeur menschliche Silhouetten, die in einem dionysischen Tanz das Leben bejahen, oder das Motiv der Mutterschaft als Symbol des ewigen Kreislaufs des Lebens.
Anders die Stimmung in den großformatigen, durch Mischtechnik geschaffenen dunklen Bildern. Hier ist die Welt düster und melancholisch. Sie verliert die Konturschärfe und mutiert zu einer Art Vision. Geheimnisvolle Kompositionen, schwarze Balken, hell-dunkel fleckige Hintergründe, verstrichene bzw. verwässerte Farbaufträge und rot-blaue Codepunkte bestimmen das Vokabular. In dieser Welt herrscht eine unheimliche und rätselhafte Stimmung, deren Geheimnis nur durch den Titel ein wenig enthüllt wird. Neben der Außenwelt finden wir hier einen Ausdruck der Innenwelt. Es ist beispielsweise nicht nur die Großstadt – es ist viel mehr, und zwar der „Geist der Großstadt“. Und es sind nicht nur Träume – es sind die „Galaktischen Träume“ bzw. der „Öko-Traum“.
Als letzte Gattung ist noch die Skulptur geblieben. Gunsch bedient sich hier der Naturmaterialien wie Holz und Stein, kombiniert sie mit Glas, Spiegel sowie Stahl und verfeinert sie mit elektrischem bzw. Kerzenlicht. Dabei entstehen wirkungsvolle Werke, die meditative Stimmungen hervorrufen und romantische Räume erschaffen.
Neben all den oben erwähnten Motiven ist noch besonders auf das Motiv des Menschen hinzuweisen. Dessen Darstellung begleitet Gunsch über die Jahre hinweg. Es ist der Mensch als einzelnes Individuum mit all seinen Gefühlen und psychischen Zuständen. Dabei berücksichtigt der Künstler seine eigene Person, die er in der breiten Palette der Selbstporträts immer wieder neu auffängt.
Edmund Gunsch spiegelt in seinem Schaffen sowohl die ihn von außen umgebende Realität als auch seine in den abstrakten Visionen enthüllte Innenwelt wider. Dabei widmet er sich gerne Experimenten, die er erforscht und die er – mit ihnen spielend – domestiziert. Ein Künstler, dem es gelingt, die verschiedensten Stimmungen hervorzurufen. Sein künstlerisches und technisches Können ist in einer professionellen Sicherheit gehalten, auf einer malerischen, grafischen sowie skulpturalen Ebene erprobt und bewiesen.
Agnieszka Bulak, Kunsthistorikerin
März 2011

Mutterschaft, 1995, Collage/
Mischtechnik auf Folie,
52 x 34 (70 x 50) cm

Montmartre, 1982, Tusche,
Federzeichnung
auf Papier,
42 x 28 (65 x 50) cm

Geist der Großstadt, 2005,
Mischtechnik auf
Leinwand,
100 x 120 cm
Mit Unterstützung der Botschaft der Republik Polen in Berlin.
In Zusammenarbeit mit dem Verein Polnische Frauen in
Wirtschaft und Kultur e.V.














